Wie schreibt man einen Song? Mein 6-Schritte-Prozess

Von Amir Rahimzadeh · Zuletzt aktualisiert: Oktober 2026

Infografik: Wie schreibt man einen Song? Der 6-Schritte-Prozess von Thema und Song Mining über Akkorde und Melodie bis Rewriting

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Wie schreibt man einen Song? Es gibt nicht nur eine richtige Reihenfolge. In meinem eigenen Songwriting-Prozess starte ich aber fast immer mit den Lyrics: zuerst Thema, Main Message und Titel, dann der Song-Mining-Prozess. Danach entwickle ich Akkorde, mehrere unterschiedliche Melodien, Pre-Chorus und Chorus und gehe zum Schluss konsequent ins Rewriting.

Der wichtigste Unterschied zu „ich warte, bis Inspiration kommt“: Du triffst nacheinander klare Entscheidungen und benutzt für jede Baustelle konkrete Tools. Wenn du festhängst, gilt meine wichtigste Prozessregel: Flow Rules – wechsle die Aufgabe, statt dich an einer Stelle festzubeißen.

Wie schreibt man einen Song? Mein Prozess in 6 Schritten

In Songwriting Simplified beschreibe ich Songwriting nicht als linearen Ablauf, bei dem erst ein Baustein zu 100 Prozent fertig sein muss, bevor der nächste beginnt. Mein Prozess ist bewusst beweglich. Trotzdem folge ich in den meisten Sessions einer ähnlichen Reihenfolge.

  1. Thema, Main Message, Titel und Lyrics-Rohmaterial klären
  2. Die Lyrics ungefähr zu 50 Prozent entwickeln
  3. Eine Akkordbasis schreiben
  4. Mindestens drei unterschiedliche Melodieideen entwickeln
  5. Pre-Chorus und Chorus als Steigerung bauen
  6. Rewriting & Finalizing

Das Ziel ist nicht, in jedem Schritt sofort Perfektion zu erreichen. Du willst zuerst einen starken, vollständigen Song-Draft erzeugen – und ihn danach gezielt verbessern.

Schritt 1: Beginne mit Thema, Main Message und Titel

Die meisten Songwriter starten intuitiv mit Akkorden, einer Melodie oder einer einzelnen Textzeile. Das kann funktionieren. Ich selbst beginne inzwischen bei fast allen Songs mit den Lyrics und einem klaren Top-Down-Ansatz.

Bevor ich eine komplette Strophe schreibe, will ich drei Dinge wissen:

  • Thema: Worum geht es emotional?
  • Main Message: Was will ich mit dem Song wirklich sagen?
  • Titel: Welches Wort oder welche Phrase trägt die Idee und kann idealerweise im Chorus wiederkehren?

Dieser Start verhindert, dass du zwanzig schöne Einzelzeilen hast, die am Ende nicht zu demselben Song gehören. Du legst zuerst die Richtung fest und sammelst danach Material dafür.

Wenn du genau diesen Lyrics-Prozess vertiefen willst, lies als Nächstes Songtext schreiben: So kommst du von der Idee zum fertigen Text.

Warum ich nicht auf Inspiration warte

Inspiration ist wichtig – aber für mich ist sie nur der Startfunke. Der Rest entsteht durch Entscheidungen, Auswahl und Tools. Genau deshalb lässt sich Songwriting lernen: Du musst nicht jedes Mal hoffen, dass plötzlich der komplette Song „da“ ist.

Schritt 2: Nutze Song Mining und bring die Lyrics auf etwa 50 Prozent

Wenn Thema, Main Message und Titel stehen, beginnt in meiner Methode der Song-Mining-Prozess. Dabei sammelst du gezielt Wörter, Aussagen, Bilder, Metaphern, Erinnerungen und konkrete Details, ohne die Ideen sofort zu bewerten.

Wichtig ist: In diesem Stadium müssen die Lyrics noch nicht fertig sein. In meinem persönlichen Prozess komme ich nach ungefähr 45 Minuten oft auf etwa 50 Prozent. Ich habe genug Material, um den Song musikalisch weiterzuentwickeln, aber noch genügend Freiheit, später einzelne Wörter und Zeilen an Melodie und Rhythmus anzupassen.

Wenn du schneller von einer Idee zu modernen, singbaren Lyrics kommen willst, kannst du dafür auch meinen Kurs Original Lyrics nutzen.

Schritt 3: Schreibe eine Akkordbasis – nicht gleich den ganzen Song

Als Nächstes entwickle ich die Akkorde für einen Songteil, meistens den Verse. Dafür brauche ich nicht zuerst ein komplettes Arrangement. Eine funktionierende harmonische Basis reicht, damit ich anfangen kann, Melodie und Text miteinander zu testen.

In meinem eigenen Ablauf dauert dieser Schritt häufig ungefähr 15 Minuten. Entscheidend ist nicht, besonders komplexe Akkorde zu finden, sondern eine Akkordfolge, die die Emotion des Songs unterstützt und Raum für die Vocal-Melodie lässt.

Falls du hier festhängst: Welche Akkorde passen zusammen? Akkordfolgen für Songs einfach erklärt zeigt dir meinen Ansatz für Songwriting-Akkorde.

Schritt 4: Schreibe mindestens drei unterschiedliche Melodien

Jetzt singe ich die vorhandenen Lyrics-Fragmente über die Akkorde und entwickle nicht nur eine, sondern mindestens drei komplett unterschiedliche Melodieideen. Sie sollen sich in Verlauf und Rhythmus wirklich unterscheiden.

Wenn mir an einzelnen Stellen noch Wörter fehlen, benutze ich Nonsense-Lyrics als Platzhalter. Eine starke Melodie ist in diesem Moment wichtiger als die perfekte Formulierung, weil ich den Text später gezielt anpassen kann.

Genau hier passiert ein häufiger Fehler: Man nimmt die erste brauchbare Melodie als endgültige Lösung. Mehrere Versionen geben dir dagegen echte Auswahl. Erst wenn du Alternativen hast, kannst du hören, welche Idee den Song am stärksten macht.

Für diesen Schritt findest du in Melodie schreiben: Mit 7 Melody Models zu eingängigen Songmelodien meine Melody Models und Rewriting-Tools.

Schritt 5: Baue Pre-Chorus und Chorus als Steigerung

Wenn Verse, Akkorde und eine erste Melodierichtung stehen, gehe ich meistens zum Pre-Chorus. Dort suche ich bewusst nach einem melodischen, harmonischen und rhythmischen Kontrast zum Verse.

Auch hier schreibe ich mehrere Varianten. Der Pre-Chorus soll nicht einfach „noch ein Teil“ sein, sondern den Chorus vorbereiten und Spannung aufbauen.

Der Chorus ist der wichtigste Übergang

Beim Chorus teste ich meist zwei bis drei Akkordfolgen und wieder mehrere unterschiedliche Melodien. Besonders wichtig ist mir der Übergang vom Pre-Chorus in den Chorus. Der Chorus soll sich wie der Höhepunkt des Songs anfühlen – nicht nur durch den Text, sondern bereits durch Melodie, Rhythmus und Harmonie.

Alle Versionen nehme ich auf, auch halbfertige. Häufig entscheide ich erst später oder am nächsten Tag, welche Kombination am stärksten ist.

Wenn du deinen Chorus separat verbessern möchtest, lies Refrain schreiben: So wird dein Chorus eingängig. Für den gesamten Aufbau findest du hier außerdem Wie ist ein Song aufgebaut? Songstruktur einfach erklärt.

Schritt 6: Rewriting & Finalizing – hier wird aus „okay“ wirklich stark

Erst jetzt ergänze ich fehlende Lyrics und überarbeite gezielt alles, was noch nicht auf dem gewünschten Level ist: einzelne Zeilen, Melodieabschnitte, Akkorde, Hooks oder Übergänge.

Für diesen letzten Schritt plane ich in meinem persönlichen Prozess oft 60 bis 120 Minuten ein. Rewriting ist kein Zeichen dafür, dass der erste Entwurf schlecht war. Es ist der Moment, in dem du den Song bewusst auf das nächste Level bringst.

Meine wichtigste Regel: Flow Rules

Wenn ich bei Lyrics nicht weiterkomme, bleibe ich nicht eine Stunde an derselben Zeile hängen. Ich wechsle zum Beispiel zu Akkorden oder Melodie. Wenn ich dort wieder Bewegung bekomme, kehre ich später mit frischen Ohren zur ursprünglichen Stelle zurück.

Diese Regel nenne ich Flow Rules: Der Flow der gesamten Session ist wichtiger als die perfekte Lösung an genau dieser einen Stelle.

Was schreibt man zuerst: Text, Melodie oder Akkorde?

Es gibt kein Gesetz, das dir vorschreibt, womit du beginnen musst. Wenn deine stärkste Idee eine Melodie, ein Akkordloop oder eine Phrase ist, darfst du natürlich dort starten.

Mein eigener Standardprozess beginnt trotzdem fast immer mit dem Text, weil Thema, Main Message und Titel dem restlichen Song eine klare Richtung geben. Danach kann ich Akkorde und Melodie gezielter darauf ausrichten.

Wie lange dauert es, einen Song zu schreiben?

Ein Song muss nicht in einer Session komplett fertig sein. In meinem Prozess lassen sich vollständige Song-Drafts oft in weniger als vier Stunden entwickeln – am Stück oder verteilt auf mehrere Sessions. Entscheidend ist nicht die Stoppuhr, sondern dass du für jede Phase weißt, welche Entscheidung als Nächstes ansteht.

Wenn ein Song seit Monaten halbfertig herumliegt, liegt das deshalb häufig nicht an fehlender Inspiration, sondern daran, dass die nächste konkrete Aufgabe nicht klar ist. Dazu passt auch mein Artikel Top-Down Songwriting: Warum die meisten Songs nie fertig werden.

Deine praktische Songwriting-Session

Wenn du heute einen Song anfangen willst, probiere diesen Ablauf:

  1. Schreibe Thema, Main Message und drei mögliche Titel auf.
  2. Mach 10–15 Minuten Song Mining und sammle Rohmaterial, ohne zu bewerten.
  3. Baue daraus erste Lyrics-Fragmente und einen groben Verse.
  4. Schreibe eine Akkordfolge für diesen Teil.
  5. Erfinde drei deutlich unterschiedliche Melodien.
  6. Entwickle Pre-Chorus und Chorus als Steigerung.
  7. Nimm alle Varianten auf.
  8. Mach danach einen separaten Rewriting-Durchgang.

Wenn du bereits einen Song-Draft hast und wissen willst, wo er noch Potenzial liegen lässt, kannst du ihn mit meinem Songcheck überprüfen.

FAQ: Einen Song schreiben

Wie fange ich an, einen Song zu schreiben?

In meinem Top-Down-Ansatz beginnst du mit einem emotional relevanten Thema, einer klaren Main Message und einem möglichen Titel. Danach sammelst du mit Song Mining gezielt Textmaterial, bevor du dich in einzelne Zeilen verlierst.

Muss ich zuerst den Songtext schreiben?

Nein. Du kannst auch mit Akkorden oder Melodie beginnen. Mein eigener Prozess startet aber fast immer mit den Lyrics, weil dadurch Thema, Aussage und Richtung früh klar sind.

Brauche ich ein Instrument, um einen Song zu schreiben?

Für Thema, Lyrics, Titel und Melodie brauchst du nicht zwingend ein Instrument. Für die harmonische Ausarbeitung helfen Gitarre, Klavier, DAW oder eine Zusammenarbeit mit jemandem, der Akkorde und Produktion übernimmt.

Wie finde ich eine Melodie für meinen Song?

Ich entwickle mindestens drei unterschiedliche Melodieversionen über dieselben Lyrics und Akkorde. So wählst du nicht automatisch die erste Idee, sondern kannst Verlauf, Rhythmus und Wirkung vergleichen.

Wie bekomme ich einen halbfertigen Song fertig?

Identifiziere zuerst die konkrete offene Baustelle: Lyrics, Akkorde, Melodie, Chorus, Hook oder Struktur. Wenn du dort feststeckst, wechsle nach dem Flow-Rules-Prinzip vorübergehend zu einer anderen Aufgabe und komm später zurück.

Kann man Songwriting lernen?

Ja. Songwriting besteht aus vielen trainierbaren Teilfähigkeiten: Ideen entwickeln, Lyrics strukturieren, Akkorde wählen, Melodien schreiben, Kontraste erzeugen und rewriten. Je klarer deine Tools für diese Teilaufgaben sind, desto weniger bist du von Zufall und Inspiration abhängig.

Fazit: Ein fertiger Song entsteht aus Entscheidungen, nicht aus Warten

Ein Song muss nicht in einem magischen Moment komplett entstehen. Mein Prozess ist bewusst iterativ: erst Richtung und Rohmaterial, dann Akkorde und mehrere Melodien, danach Steigerung und am Ende Rewriting.

Genau dadurch wird Songwriting reproduzierbarer. Du weißt immer, woran du gerade arbeitest – und wenn du hängen bleibst, wechselst du die Aufgabe, statt den Song aufzugeben.

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